Sag mir deinen Nickname und ich sage dir, wer du bist! – Computerspiele und Daten

EINE TYPISCHE SITUATION IN FAMILIEN

Eine Jugendliche spielt bereits seit Längerem ein kostenloses Smartphone-Game. Dabei geht es um den Aufbau einer Farm. Täglich wird ihr dabei angeboten, dass sie, wenn sie mehrere Freunde ins Spiel einlädt, ein besonderes Geschenk erhält. Nach mehreren Tagen knickt sie ein, zu groß ist die Neugier. Schnell sind die E-Mail-Adressen und Telefonnummern ihrer Freundinnen freigegeben. Diese erhalten fortan Werbung der App. Bald sind ihre Freundinnen davon genervt. Und die Eltern sind darüber verärgert, dass ihre Tochter dem Anbieter persönliche Daten übermittelt hat ohne über Konsequenzen nachzudenken.

WIE DENKEN VIELE ELTERN DARÜBER?

Generell scheint das Thema Datenschutz in unserer digitalen Welt kompliziert und schwer durchschaubar zu sein. Egal ob Social Media, das eigene Smartphone, Streaming-Dienste oder eben Spiele: Die Anbieter sammeln fleißig Daten der Userinnen und User, um sie für Werbung und andere Zwecke zu nutzen. Welche Daten die Spielenden preisgeben, bekommen Eltern in der Regel nicht mit. Angesichts der vielen Plattformen und Dienste ist es schier unmöglich, den Überblick zu behalten. Jugendliche sind meist sehr arglos, wenn es darum geht, persönliche Daten preiszugeben – sowohl die eigenen als auch die der Freunde.

 

WIE DENKEN VIELE JUGENDLICHE DARÜBER?

Alle im Freundeskreis spielen das Spiel. Es ist zudem kostenlos im Internet verfügbar. Es gibt doch keine sinnvollen, nachvollziehbaren Gründe, warum man es nicht spielen sollte. Gibt man Taschengeld für Spiele aus, ist es den Eltern nicht recht. Spielt man kostenlose Spiele, ebenfalls nicht.
Und das Argument der Eltern, dass man solche Spiele nicht spielen sollte, weil man persönliche Daten angeben muss, ist ebenfalls nur schwer nachzuvollziehen. Was soll denn schon passieren, wenn Anbieter den Namen und das Geburtsdatum kennen?

 

WORUM GEHT ES?

Wie werden Daten gesammelt? Daten werden von den Spieleanbietern auf unterschiedliche Weise gesammelt. Beispielsweise müssen beim Download oder während der Installation eines Spiels Daten angegeben oder Zugriff auf bestimmte Funktionen wie Kameranutzung gewährt werden. Oder die Daten werden automatisch während des Spielens gesammelt, vor allem bei Apps: Standortdaten, Verbindungsdaten oder Kontakte und Telefonnummern.

Was sind die Daten wert? Heute gibt es viele zunächst kostenlose Computerspiele („free-to-play“). Allerdings sollte allen klar sein, dass kein Spiel wirklich kostenlos angeboten wird. Die Produktion und der Betrieb von Spielen kostet Geld. Wenn das Spiel selbst nun also kostenlos angeboten wird, müssen diese Kosten auf andere Art und Weise gedeckt werden. Dies geschieht zum Beispiel über das Sammeln von personenbezogenen Daten. Diese Daten werden dann für personalisierte Werbung genutzt oder weiterverkauft.

Warum achten Jugendliche oft weniger auf Datenschutz? Für Eltern ist das Thema Datenschutz meist präsenter als für Jugendliche, da Erwachsene weiter in die Zukunft denken. Jugendliche leben eher im Hier und Jetzt, wollen Neues ausprobieren, an Grenzen stoßen und provozieren. Das ist in dieser Entwicklungsphase normal. Spricht man mit Jugendlichen über das Thema, hört man häufig folgenden Satz: „Ich habe doch nichts zu verbergen!“ Der aktuelle Nutzen durch das Spiel wird damit über mögliche langfristige Nachteile gestellt. Was mit den Daten alles gemacht werden kann und welche Risiken – auch für jeden persönlich – lauern, machen sich die Wenigsten wirklich klar.

 

WAS KANN MAN TUN?

Information: Informieren Sie sich, möglichst bevor das Spiel installiert wird, über die Berechtigungen, die die Spiele verlangen. Ehe man sich zur Eingabe von Daten entschließt bzw. Berechtigungen erteilt, sollten folgende Fragen gestellt werden:

Wofür braucht das Spiel die Berechtigungen bzw. die Daten?

Ist es z. B. wirklich nötig, Kontaktdaten freizugeben, um das Spiel nutzen zu können?

Wofür werden die gesammelten Daten konkret verwendet?

Nur wenn diese Fragen ausreichend beantwortet werden können, sollten Sie sich für die Installation eines Spiels entscheiden. Gerade Smartphone-Apps verlangen häufig weitreichende Berechtigungen.

Sparsamer Umgang mit Daten: Sprechen Sie möglichst frühzeitig mit Ihrem Kind über den Wert persönlicher Daten. Machen Sie deutlich, dass Spiele niemals kostenlos sind und erklären Sie, wie Spieleanbieter Geld mit Daten verdienen können. Zeigen Sie auch andere mögliche negative Folgen durch einen zu lockeren Umgang mit persönlichen Daten.

Besondere Vorsicht bei Geldangelegenheiten! Gerade bei Konto- und Kreditkartendaten sollten Sie besonders vorsichtig sein, diese niemals im Spiel oder auf einer Plattform speichern und unbedingt darauf achten, dass die Daten nach dem Kauf wieder gelöscht werden. Durch Sicherheitslücken, Datenlecks oder einfach nur zu geringe Vorsichtsmaßnahmen, wie beispielsweise schwache Passwörter, gelangen die brisanten Informationen schnell in falsche Hände. Die unbefugte Nutzung eines Spiel-Accounts kommt häufiger vor als allgemein angenommen wird. Sollte ihr Kind davon betroffen sein, wenden Sie sich schnellstmöglich an den Spieleanbieter.

Sensibilisierung für den Wert von Spielen: Die Produktion und der Betrieb guter Spiele kosten Geld. Diskutieren Sie mit Ihrem Kind darüber, was ein gutes Spiel ausmacht und ob das dem Gegenwert seiner Daten oder des Taschengeldes tatsächlich entspricht.

 

LINKTIPPS

webhelm – kompetent online
Das Infoangebot des JFF – Institut für Medienpädagogik für pädagogische Fachkräfte und interessierte Erwachsene zur Internetnutzung von Jugendlichen
www.webhelm.de/kategorie/datenschutz/

 

Spieleratgeber NRW
Hier finden Sie Ratgeber, u.a. zu rechtlichen Aspekten und Datenschutz.
www.spieleratgeber-nrw.de/Datenschutz.4585.de.1.html

 

klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet u.a. Materilien zum Thema Datenschutz.
www.klicksafe.de/service/materialien/broschueren-ratgeber/datenschutz-tipps-fuer-eltern/

 

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KONTAKT

Game Life – die Informationsbroschüren für Eltern zum Thema Computerspiele wurden vom JFF – Institut für Medienpädagogik und Medienzentrum Parabol im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales erarbeitet.